Frühe Fehlgeburt

erste Informationen für betroffene Eltern

Eine Fehlgeburt ist ein einschneidendes Erlebnis. Sie dürfen traurig sein, Fragen stellen, Zeit brauchen und Ihren eigenen Weg finden.

Sie sind mit diesem Verlust nicht allein. Und Sie haben nichts falsch gemacht.

Vielleicht haben Sie gerade erst erfahren, dass sich Ihr Kind nicht weiterentwickelt oder kein Herzschlag mehr feststellbar ist. Neben der Trauer entstehen häufig viele Fragen und Unsicherheiten.

Diese Informationen sollen Ihnen helfen, die Situation besser zu verstehen und sich in Ruhe mit den nächsten Schritten auseinanderzusetzen.

Wie häufig sind Fehlgeburten und warum passieren sie?

Eine Fehlgeburt bezeichnet den Verlust einer Schwangerschaft, bevor das Kind außerhalb des Mutterleibs lebensfähig ist. Etwa 80 % aller Fehlgeburten ereignen sich in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen.

Fehlgeburten sind häufiger, als viele Menschen vermuten. Je nach Quelle enden etwa 10 bis 30 % der Schwangerschaften auf diese Weise.

Die häufigste Ursache sind zufällige Veränderungen des Erbguts, durch die sich der Embryo nicht normal weiterentwickeln kann. Auch das Alter der Eltern, bestimmte Erkrankungen, hormonelle Veränderungen oder anatomische Besonderheiten der Gebärmutter können eine Rolle spielen.

Das Wichtigste: Sie haben nichts falsch gemacht. Gewöhnlicher Alltagsstress, Bewegung oder normale körperliche Belastungen sind keine nachgewiesenen Ursachen für eine Fehlgeburt.

Wie wird eine Fehlgeburt festgestellt?

Eine Fehlgeburt kann sich durch Blutungen und Unterleibskrämpfe bemerkbar machen. Manchmal gibt es jedoch keinerlei körperliche Anzeichen. Die Diagnose wird dann zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung gestellt, wenn kein Herzschlag mehr nachweisbar ist oder sich der Embryo nicht weiterentwickelt hat.

Nach einer gesicherten Diagnose besteht in der Regel kein unmittelbarer Handlungsdruck. Sofern keine medizinischen Gründe für ein sofortiges Eingreifen vorliegen, dürfen Sie sich Zeit nehmen, um gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Welche Möglichkeiten habe ich?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, mit einer frühen Fehlgeburt umzugehen. Welche davon für Sie infrage kommt, hängt unter anderem vom Schwangerschaftsalter, Ihrem körperlichen Zustand und Ihren persönlichen Wünschen ab.

  1. Abwarten – der natürliche Abgang

Sie können Ihrem Körper Zeit geben, die Schwangerschaft auf natürlichem Weg zu beenden.

Dabei kommt es meist zu stärkeren Blutungen als bei einer normalen Menstruation, häufig begleitet von perioden- oder wehenartigen Schmerzen. Auch verklumptes Blut und Schwangerschaftsgewebe können abgehen. Der Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen, manchmal dauert es mehrere Wochen.

Vorteile:

  • Kein medikamentöser oder operativer Eingriff.
  • Die Gebärmutter wird geschont.
  • Ein selbstbestimmtes und bewusstes Abschiednehmen kann möglich sein.

Mögliche Nachteile:

  • Der Abgang kann längere Zeit auf sich warten lassen.
  • Blutungen und Schmerzen können ausgeprägt sein.
  • Es kann sein, dass Schwangerschaftsgewebe zurückbleibt und eine weitere Behandlung notwendig wird.
  1. Medikamentöse Unterstützung

Mit Medikamenten kann der Abgang der Schwangerschaft eingeleitet werden. Dabei wird die Gebärmutter zur Kontraktion angeregt und der Muttermund öffnet sich.

Die Blutungen und Schmerzen setzen häufig innerhalb von 48 Stunden ein. Sie können stärker sein als bei einer normalen Menstruation und mehrere Tage andauern.

Vorteile:

  • Der Zeitpunkt des Abgangs ist besser planbar.
  • Eine Operation kann häufig vermieden werden.
  • Die Gebärmutter wird geschont.
  • Ein bewusster Abschied kann möglich sein.

Mögliche Nachteile:

  • Es kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber kommen.
  • Stärkere Blutungen und Schmerzen sind möglich.
  • Manchmal ist eine zweite Medikamentengabe oder doch noch eine Operation notwendig.
  1. Operativer Eingriff (Absaugung)

Bei einer sogenannten Saugkürettage wird das Schwangerschaftsgewebe in der Regel unter Vollnarkose aus der Gebärmutter entfernt. Der Eingriff erfolgt meist ambulant.

Vorteile:

  • Die Fehlgeburt kann schnell und planbar abgeschlossen werden.
  • Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist sehr hoch.
  • Blutungen und Schmerzen nach dem Eingriff sind meist geringer als beim natürlichen Abgang.

Mögliche Nachteile:

  • Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen Risiken durch Narkose, Blutungen und Infektionen.
  • In seltenen Fällen kann es zu Verletzungen oder Verwachsungen der Gebärmutterschleimhaut kommen.
  • Manche Frauen empfinden den schnellen Ablauf als emotional belastend.

Keine dieser Möglichkeiten ist grundsätzlich die richtige oder falsche Entscheidung. Wichtig ist, dass Sie ausreichend informiert sind und einen Weg wählen können, der sich für Sie stimmig anfühlt.

Was passiert nach der Fehlgeburt?

Nach einem natürlichen oder medikamentös eingeleiteten Abgang können Blutungen auftreten, die ähnlich wie eine Menstruation oder stärker ausfallen und bis zu mehreren Wochen andauern können.

Eine Ultraschallkontrolle nach etwa 7 bis 14 Tagen dient dazu, zu überprüfen, ob das Schwangerschaftsgewebe vollständig abgegangen ist.

Der Hormonhaushalt stellt sich anschließend langsam um. Schwangerschaftsanzeichen klingen nach und nach ab. Die erste Menstruation setzt häufig nach etwa fünf bis sechs Wochen wieder ein. Ein Eisprung kann bereits vor der ersten Periode stattfinden.

Eine erneute Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich, sobald Sie körperlich und emotional dazu bereit sind. Nach einem natürlichen oder medikamentösen Abgang ist üblicherweise kein Pausenzyklus erforderlich. Nach einem operativen Eingriff kann es sinnvoll sein, zunächst eine Menstruation abzuwarten.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Bitte lassen Sie sich umgehend ärztlich untersuchen, wenn Sie:

  • sehr starke oder anhaltende Blutungen haben,
  • Fieber über 38 °C entwickeln,
  • unangenehm riechenden Ausfluss bemerken,
  • zunehmende Unterbauchschmerzen haben,
  • sich deutlich krank oder kreislaufmäßig beeinträchtigt fühlen.

Bei Kreislaufkollaps, Ohnmacht oder sehr starken Blutungen ist eine sofortige medizinische Versorgung notwendig.

Die seelische Verarbeitung

Eine Fehlgeburt bedeutet nicht nur den Verlust einer Schwangerschaft. Es gehen damit auch die Vorstellungen, Wünsche und Hoffnungen für die gemeinsame Zukunft verloren.

Trauer, Wut, Schuldgefühle, Leere oder Hilflosigkeit sind mögliche Reaktionen. Jeder Mensch verarbeitet einen solchen Verlust anders. Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt und keinen vorgeschriebenen Weg, mit der Trauer umzugehen.

Geben Sie sich Zeit. Sie müssen nicht schnell wieder funktionieren und dürfen Unterstützung annehmen.

Auch der Partner oder die Partnerin kann auf eigene Weise trauern. Ein offener Austausch kann helfen, sich gegenseitig zu verstehen und gemeinsam mit dem Verlust umzugehen.

Wenn die Trauer den Alltag dauerhaft stark beeinträchtigt oder Sie sich allein nicht mehr zurechtfinden, wenden Sie sich bitte unbedingt zeitnah an eine psychologische Beratungsstelle, Trauerbegleitung oder Selbsthilfegruppe.

Welche Unterstützung steht mir zu?

Auch nach einer Fehlgeburt haben Sie Anspruch auf Hebammenbetreuung. Eine Hebamme kann Sie bei der körperlichen Erholung begleiten, Fragen zu Blutungen und Zyklus beantworten und Ihnen bei der Verarbeitung des Erlebten zur Seite stehen. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten, Abschied zu nehmen:

  • Sie können Ihr Kind auf Wunsch individuell bestatten lassen.
  • Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regelungen zur Bestattung.
  • Auf Wunsch können Sie beim Standesamt eine Bescheinigung über die Fehlgeburt erhalten.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Schwangerschaftsgewebe pathologisch untersucht werden.

Informationen und Unterstützung finden Sie beispielsweise bei: